08.02.2015
Festtagsstimmung verdorben
Es ist gelaufen. Das Rekordspiel in Aachen fand statt und fand mit Aachen einen Sieger, der insgesamt auf Augenhöhe, aber eben um genau ein Tor besser war als Rot-Weiss Essen. Doch die Art der Berichterstattung hatte schon etwas Beleidigendes.
Mehr als 5.000 Essener sorgten für gute Stimmung

Aber genug der Aufregung, denn es gab weitaus wichtigeres an diesem Samstag. Leider geht es immer noch nicht um den Sport. Nach den traurigen Meldungen zum Tod des RWE-Urgesteins Siggi Dahms und des Sponsors Friedel Töberg muss die RWE-Familie den Tod eines Fans im Sonderzug betrauern. Der 63-jährige erlag noch vor Spielbeginn seinen Herzbeschwerden, und immer wieder zeigt die Floskel ihre Berechtigung, dass der Fußball in solchen Fällen zur Nebensache wird. Wenigstens an Siggi Dahms wurde noch vor Spielbeginn gedacht. Die Alemannia sagte ein paar Worte über ihn und gemeinsam mit dem Aachener Anhang würdigten die Fans mit einer Applausminute den verstorbenen Rot-Weissen. Ein großes Lob für solch ein faires Verhalten, das man wahrlich nicht überall findet.
Beste Chance zur Führung - Tim Hermes

Auch im Anschluss daran drückte RWE die Aachener tief in die eigene Hälfte und ließ sie nicht zum Zuge kommen. Doch diese erdrückende Spielweise hielt nur eine halbe Stunde lang, danach verließ die Essener nach und nach das Konzept. Doch auch der Alemannia fehlten die entscheidenden Strafraumszenen. Die Zuschauer sahen ein typisches 0:0-Spiel, das dann durch einen Standard entschieden wurde. Nach vierzig Minuten konnte Niclas Heimann einen gefährlichen Schuss zur Ecke abwehren. Diese Ecke brachte dann jedoch die Entscheidung. Leon Binder war im entscheidenden Moment nicht zur Stelle und Kevin Behrens konnte unbedrängt zur Führung einköpfen.
Der Stürmer feierte danach provokant vor der Essener Tribüne. So viel Unsportlichkeit in solch einem Spiel ist schon bemerkenswert und lässt tief auf den Charakter des Spielers schließen. Da versuchen die beiden Vereine vorweg für ein friedliches Fußballfest zu werben und der Stürmer arbeitet sich, anstatt sich über sein wichtiges Tor zu freuen, am gegnerischen Anhang ab und lässt die Bemühungen des eigenen Vereins zum Lippenbekenntnis schrumpfen.
Nach der Pause stellte Rot-Weiss das eigene Spiel nahezu ein. Das lag aber nicht am mangelnden Willen oder an fehlender Qualität, sondern an der mehr als beeindruckenden Abwehrarbeit der Alemannia. Die Abwehrrecken hatten wohl die Anweisung möglichst wenig Standardsituationen zuzulassen. Das wollen die wenigsten Trainer, doch kaum einer hat Spieler, die solch eine Weisung auch umsetzen können. Immer wieder liefen die Stürmer sich dort fest. In solchen Spielen zeigt sich das Fehlen eines unkonventionellen Spielertypen wie Cebio Soukou. Auf der Gegenseite demonstrierte auch Philipp Zeiger eindrucksvoll sein Können und der neugekaufte Aachener Goalgetter Viktor Meier lief vergebens gegen den starken Hünen an.
Mund abwischen - Bochum schlagen

Dieses Ergebnis ist ein Dämpfer zum Rückrundenbeginn, doch Bangemachen gilt nicht. Weiterhin hat RWE eine hervorragende Ausgangsposition, die beste seit Jahren. Es sind vierzehn Spiele und die Alemannia wird nicht alle gewinnen können (der drohende Schatten aus Mönchengladbach wird sich erst nach den Nachholspielen erheben). Gegen Bochum müssen dringend Punkte her, um den Anschluss zu halten. Es bleibt spannend.
Alemannia Aachen
Ermes, Ernst, Hackenberg, Hoffmann, Lejan, Demai, B. Müller (88. Zieba), Jerat, Dowidat, Maier (65. Graudenz), K. Behrens (90. Brauweiler)
Rot-Weiss Essen
Heimann, Binder (46. Dombrowka), Zeiger, Weber, Huckle, Grebe, Baier (83. Steffen), Platzek, Hermes, Kreyer, Studtrucker (56. Freiberger)
Tore
1:0 K. Behrens (39.)
Zuschauer
30.313 (ausverkauft)
Schiedsrichter
Martin Thomsen
Gelbe Karten
K. Behrens, B. Müller, Demai
Gelb-rote Karte
Weber
Spieler des Spiels 20. Spieltag - Philipp Zeiger